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Giebel über der Toreinfahrt zur Abtei Brauweiler

LVR-Kulturzentrum
Abtei Brauweiler

News vom 9.5.2017

Eröffnung der Wanderausstellung "... und nenne Euch Preußen!" am 4.5.2017

Präsentation im Winterrefektorium der Abtei Brauweiler

Bis zum 18. Juni 2017 ist im Winterrefektorium der Abtei Brauweiler die dokumentarische Wanderausstellung „…und nenne Euch Preußen!"- Die Region Rhein-Erft-Rur unter preußischer Verwaltung zu sehen. Bei der Eröffnung am 4. Mai im historischen Säulensaal der Abtei Brauweiler („Winterrefektorium“) konnten interessierte Besucherinnen und Besucher einen ersten Blick auf die Ausstellung werfen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Archive im Rhein Erft-Kreis sowie des Stadt- und Kreisarchivs Düren leistet mit dem Projekt einen Beitrag zum 200-Jahr-Jubiläum der „Preußenzeit“. Anschaulich und informativ dokumentieren Schautafeln sowie zusätzlich themenbezogene Reproduktionen von Dokumenten aus dem Archiv des LVR, das ebenfalls an der Ausstellung beteiligt war, den Wandel der Region während der preußischen Herrschaft ab 1815.

Berit Arentz (Stadt- und Kreisarchiv Düren) leitete seitens der Arbeitsgemeinschaft in die Veranstaltung ein. Anschließend führte Dr. Wolfgang Schaffer, Leiter des Archivs des LVR, durch die Ausstellung. Das Thema stieß bei den Gästen auf reges Interesse. Denn obwohl die Preußen über 130 Jahre lang die Region prägten, ist diese Zeit im Bewusstsein Vieler kaum präsent.

Preußische Strenge und rheinische Gelassenheit – wie ging das zusammen? Berit Arentz zufolge bargen sowohl Mentalitäts- als auch Konfessionsunterschiede zwischen den protestantischen Preußen und der katholischen Bevölkerung Konfliktpotenzial: „Als die Preußen 1815 anrückten, waren die Rheinländer alles andere als begeistert.“ Gebieterisch verkündete der preußische König Friedrich Wilhelm III. seinen neuen Untertanen: „Ich trete mit Vertrauen unter euch, gebe euch eurem deutschen Vaterlande, einem alten deutschen Fürstenstamme wieder und nenne Euch Preußen!“. Der geliebte Karneval der Rheinländer z.B. wurde jedoch selbst von den disziplinierten Preußen nicht verboten. Er erfuhr lediglich leichte Veränderungen.

Trotz Divergenzen brachte die preußische Verwaltung der Region auch zahlreiche Vorteile. Die rheinischen Provinziallandtage wie auch die rheinische Provinzialverwaltung, aus welcher die heutigen Landschaftsversammlungen und der heutige LVR hervorgegangen sind, schufen Verbesserungen in Verkehrswesen, Kultur, Wirtschaft und vor allem im sozialen Bereich (Fürsorge, Behinderte). In einem Rundgang durch die Ausstellung wies Wolfgang Schaffer auf die Etablierung von Fürsorgeeinrichtungen wie z. B. die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Düren hin. Aus ihr ging später die LVR-Klinik hervor. Er verwies darüber hinaus auf die kommunalen Strukturen in der Rheinprovinz und führende Persönlichkeiten. Die Zeit der preußischen Rheinprovinz endete formell 1947. Soziale Einrichtungen und Verwaltungsstrukturen blieben jedoch teilweise bestehen. Auch deshalb bleibt die Geschichte der Rheinprovinz heute noch von Interesse.

Wer neugierig geworden ist, kann sich die Ausstellung noch bis zum 18. Juni ansehen. Sie ist täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Eine öffentliche Führung findet am Mittwoch, 31. Mai 2017, um 17 Uhr, statt. Durch die Ausstellung führt Dr. Thomas Krämer, Archiv des LVR.