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Giebel über der Toreinfahrt zur Abtei Brauweiler

LVR-Kulturzentrum
Abtei Brauweiler

Mittelalter

Von der Siegburger Reform und dem dritten Neubau der Kirche (1136 - 1400)

Nach nur wenigen Jahrzehnten wurde die unter Richeza gebaute Abteikirche ab 1136 grundle-gend erneuert. In die Bauzeit von 1136 bis 1225 fällt auch der Bau der sogenannten dritten Brauweiler Kirche sowie der Neubau der Klosteranlage unter Abt Aemilius. Er stiftete zuallererst den Neubau des Kapitelsaals welcher in dem mittelalterlichen Kloster im Ostflügel des Kreuzgangs lag und Versammlungs- und Beratungsraum des Konvents war. Der Kapitelsaal, der schon seit 1095 nach der Siegburger Reform lebenden Mönche, wurde reich mit Fresken ausgemalt und ist ein einzigartiges Beispiel romanischer Monumentalmalerei des Rheinlands. Das Bildprogramm der Gewölbemalereien setzt sich dabei aus Szenen zusammen, die auf eine auf dem Hebräerbrief (11, 33-39) basierenden Lesung zurückgehen. Vermutlich wurden die Malereien zwischen 1148 und 1174 gefertigt. Der Bau des Ostflügels wurde sukzessive fortgeführt, anschließend wurden der West- und Südtrakt des Kreuzganges gebaut. Der Nordtrakt wurde als letztes fertiggestellt. Erst nach Fertigstellung des Neubaus der Klostergebäude wurde unter Abt Godesmann mit den Erneuerungsarbeiten an der Kirche begonnen.

Im Verlauf der Geschichte war eine große Anzahl verschiedener historischer Persönlichkeiten zu Gast in Brauweiler. Dazu gehörte der Mystiker und Mitbegründer des Zisterzienserordens Bernhard von Clairvaux. Er kam 1147 in die Abtei um den adeligen Teil der Bevölkerung zur Beteiligung am zweiten Kreuzzug aufzufordern. Er feierte in der Klosterkirche am Hauptaltar die Messe und vollzog laut Klosterannalen auch einige Wundertätigkeiten. Bernhards Kasel, ein liturgisches Gewand aus byzantinischer Seide, wird in dem Lapidarium der heutigen Pfarrkirche St. Nikolaus aufbewahrt und besticht durch seinen außergewöhnlichen guten Zustand.

Auch der Gelehrte und Kirchenlehrer Albertus Magnus kam 1274 in die Benediktiner Abtei und weihte bei seinem Aufenthalt einen Altar in der Klosterkirche. Er stand in vertrautem Kontakt mit dem Brauweiler Abt Heinrich I. von Rennenberg und war berufen, um in einer Auseinandersetzung zwischen Abt und Konvent unterstützend zur Seite zu stehen.

Neben den bekannten Männern der Geschichtsschreibung gibt es auch nicht minder bekannte Frauen, die mit der Geschichte des Klosters verbunden sind. So gab es beispielsweise im 12. Jahrhundert einen Briefwechsel zwischen Abt Geldolf und der wichtigen Äbtissin des Klosters Rupertsberg, Hildegard von Bingen . Abt Geldolf wandte sich an Hildegard mit der Bitte eine besessene Frau von einem Dämon zu befreien. In der Vita der Heiligen Hildegard berichtet Theoderich von Echternach, dass es Hildegard tatsächlich gelungen sei, die Frau von dem Dämon zu befreien.


Die Bursfelder Reform und der Aufschwung im 15. Jahrhundert (1400 - 1500)

Im 15. Jahrhundert wurde in der Abtei Brauweiler die Bursfelder Reform eingeführt, eine geistlich-monastische Reformbewegung, welche das Kloster in einen Verband der Bursfelder Reformklöster mit einbeschloss. Dies bedeutete, dass die Äbte der Mitgliedsklöster in regelmäßigen Abständen Generalkapitel abhielten und sich in den Klöstern nach den einheitlichen Vorschriften von Liturgie und Lebensgewohnheiten der Reform richteten. Diese waren bestrebt, sich verstärkt den Idealen der Benediktsregel zu widmen und gegen die zunehmende Verweltlichung der Klöster zu arbeiten.

Trotz alledem gingen die wirtschaftlich schwierigen Zeiten des Rheinlands im 15. Jahrhundert nicht an der Abtei Brauweiler vorbei. Wenngleich die Bursfelder Reform die geistliche Integrität der Abtei zunehmend stärkte, so war sie wirtschaftlich stark erschöpft. 1491 gelang es jedoch Abt Adam II. von Münchrath während seiner Amtszeit, einen Aufschwung der finanziellen Situation des Klosters zu gewährleisten. Aus einer Missernte zu Beginn der 1490er Jahre konnte die Abtei einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Da sich eine große Menge Getreide in den Vorratskammern der Abtei befand, konnte es zum Vorteil der Abtei teuer verkauft werden. Mit dem erwirtschafteten Gewinn konnten so ein neues Back- und Brauhaus finanziert werden.

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