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Giebel über der Toreinfahrt zur Abtei Brauweiler

Gedenkstätte
Brauweiler des LVR

Gedenkbuch Brauweiler

Biografien

Kirchner, Carl August

  • geb. 27.12.1894 in Kamen, Kreis Hamm
  • gest. vermutlich 03.05.1945 (am 19.02.1947 vom Amtsgericht Ahlen für tot erklärt)
  • Haft in Brauweiler: ca. Juni 1933 bis Herbst 1933

August Kirchner entstammte einer Bergarbeiterfamilie in Ahlen. Er erlernte den Beruf des Friseurs, arbeitete nach seiner Lehre aber zunächst als Bergmann auf der Zeche Westfalen. Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet und verlor ein Auge. 1923 heiratete er, gab den Bergmannsberuf auf und eröffnete in der Rottmannstraße 91 einen Friseursalon. Seit ihrer Gründung war er in der KPD-Ortsgruppe in Ahlen politisch aktiv. 1924 und 1929 wurde er in die Stadtverordnetenversammlung Ahlen gewählt, 1929 gleichzeitig auch in den Kreistag des Kreises Beckum. Sein Amt als Stadtverordneter legte er am 27. Mai 1930 nieder.

Am 2. Juni 1933 wurde er wegen seiner politischen Tätigkeit verhaftet und zunächst im Polizeigefängnis Recklinghausen inhaftiert und misshandelt. Von dort wurde er in das KZ Brauweiler verlegt. Vermutlich vom Herbst 1933 bis Juni 1934 war er im KZ Papenburg/Ems. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er am 22. August 1944 im Rahmen der „Aktion Gewitter“ erneut verhaftet. Nach dreiwöchiger Haft im Polizeigefängnis Münster (bis zum 15. September 1944) kam er über das Polizeigefängnis Magdeburg am 20. September 1944 in das KZ Sachsenhausen und wurde von dort im Oktober 1944 mit insgesamt 2.300 Häftlingen in das KZ Neuengamme bei Hamburg überführt (Häftlingsnummer 58.476). Im November 1944 wurde er zum Bau des „Friesenwalls“ durch die Firma Hochtief in das Außenlager Veersen bei Meppen verlegt, kehrte aber wieder nach Neuengamme zurück.

Kurz vor Kriegsende, am 19. April 1945, wurden mehrere tausend Häftlinge auf beschlagnahmte Schiffe („Cap Arcona“, „Thielbeck“) in der Lübecker Bucht vor Neustadt verbracht. Am 3. Mai 1945 versenkten britische Bomber die beiden Schiffe. 7.000 Häftlinge starben. Möglicherweise war August Kirchner auch unter den Opfern. Zur Frage nach seinem Schicksal äußert sich der ehemalige Ahlener Stadtchronist Jürgen Rheker wie folgt: „Nach den Unterlagen des ‚Internationalen Suchdienstes in Bad Arolsen‘ lautet seine Häftlingsnummer [im KZ Neuengamme] 58476. Nach deren weiteren Feststellungen ‚wurde die Häftlingsnummer 58476 des KZ Neuengamme am 17. Oktober 1944 ausgegeben (Transport vom Konzentrationslager Sachsenhausen)‘. Diese Häftlingsnummer erscheint (ohne Personenangaben) ‚in einer Nachkriegsaufstellung‘(!) von Opfern der Schiffskatastrophe ‚Cap Arcona‘ am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht. Ob und auf welchem der Schiffe sich August Kirchner befunden hat, bleibt bisher auch ungeklärt, da aufgrund der chaotisch abgelaufenen Räumungstransporte keine Transportlisten mehr erstellt wurden und leider viele Opfer nicht geborgen oder identifiziert werden konnten […].“ Letzte Gewissheit über das Lebensende August Kirchners gibt es trotz jahrelanger Recherche nicht.

Am 8. März 1946 wurde die Straße in Ahlen, in der August Kirchner gewohnt hatte, nach ihm benannt.

Quellen:

  • Internationaler Suchdienst des Roten Kreuzes, Bad Arolsen
  • Unterlagen im Stadtarchiv Ahlen

Literatur:

  • Rennspieß, Uwe: Jenseits der Bahn. Geschichte der Ahlener Bergarbeiterkolonie und der Zeche Westfalen, Essen 1989.

Text und Recherche:

Josef Wißkirchen, unter Bezugnahme auf Recherchen von Jürgen Rheker, Stadtchronist Ahlen

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