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Giebel über der Toreinfahrt zur Abtei Brauweiler

LVR-Kulturzentrum
Abtei Brauweiler

Aktuelles

Hinweis - Bauarbeiten ab 25.8.2021

Aufgrund von Bauarbeiten kommt es in den nächsten Wochen zu Einschränkungen beim Besuch der Gedenkstätte Brauweiler. Es wird ein Aufzug eingebaut, der künftig den barrierefreien Zugang ermöglicht. Aus diesem Grund sind vorübergehend nicht alle Ausstellungsbereiche zugänglich.

In der Zeit vom 13.9. bis 31.10.2021 ist wegen der Bauarbeiten die Schließung der Gedenkstätte nötig.

Wir bitten um Verständnis.


5. September 2021, 12:30-14 Uhr - Führung am Europäischen Tag der jüdischen Kultur

Die Deportierten und die Unerkannten
Die Arbeitsanstalt Brauweiler als Gefängnis jüdischer Rheinländer (1938-1945)

Es muss eine der größten zivilen Transportaktionen sein, die sie bis dahin gesehen hatten: die Insass*innen und Aufseher*innen der Arbeitsanstalt, die Bewohner*innen des Ortes Brauweiler und die Menschen, die an den Zufahrtsstraßen lebten. In den Tagen nach der Reichspogromnacht 1938 steuert eine schier endlos scheinende Wagenkolonne Brauweiler an. Es sind Juden aus dem Rheinland, die nach ihrer Verhaftung in der Arbeitsanstalt auf ihre Deportation in das Konzentrationslager Dachau warten sollen.

Sechs Jahre später, im November 1944, bietet sich den Menschen in Brauweiler ein ähnliches Bild: Wieder erreichen fast täglich Wagenladungen von Menschen die inzwischen de facto von der Gestapo kontrollierte Arbeitsanstalt. Unter ihnen sind auch Juden. Sie hatten sich bei Widerstandskämpfern in Köln versteckt.

Aus Anlass des diesjährigen Europäischen Tages der jüdischen Kultur am 5. September bieten wir einen Rundgang durch die Gedenkstätte Brauweiler und über das Abteigelände (bei gutem Wetter) an. Begleiten Sie uns und lernen Sie die Lebensgeschichten jüdischer Rheinländer kennen, die hier 1938 für nur wenige Tage als Deportierte und 1944/1945 für mehrere Wochen oder Monate als politische Gefangene inhaftiert waren.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Dennoch ist eine Ticketbuchung erforderlich.

Zugangsregelung aufgrund der Pandemie:

Die maximale Teilnahmezahl ist abhängig von der jeweiligen Inzidenz. Bitte informieren Sie sich vor der Veranstaltung über die aktuellen Zugangsregelungen.

Weitere Informationen zum Europäischen Tag der Jüdischen Kultur erhalten Sie hier.

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16. Mai 2021 - Internationaler Museumstag - digital

Film: Gedenkstätte Brauweiler – Sinn und Werden

Die Gedenkstätte Brauweiler des LVR informiert seit 2008 über die Geschehnisse der NS-Zeit in der ehemaligen Arbeitsanstalt Brauweiler. Über das Anliegen der Gedenkstätte und ihre Entstehung berichtet ein 8-minütiges Video, das anlässlich des Internationalen Museumstages 2021 nun erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Es versteht sich als Einführung und zugleich als Einladung, die Gedenkstätte Brauweiler zu besuchen.

Hier gelangen Sie zum Video. (Untertitel können zugeschaltet werden.)

Das Video steht zusätzlich auch als Version in Deutscher Gebärdensprache zur Verfügung.

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„Redefinition“ of Kaisersaal

Das Team der Gedenkstätte Brauweiler arbeitet an einer Online-Führung für Schüler*innen auf dem Abteigelände von Brauweiler

Kennen Sie das SAMR-Modell von Ruben R. Puentedura? Der US-amerikanische Wissenschaftler (Harvard University, Bennington College) analysierte schon im Jahr 2006 die Möglichkeiten der Nutzung digitaler Medien im Unterricht. Er unterteilte vier verschiedene Stufen: Substitution (Ersetzung), Augmentation (Erweiterung), Modification (Änderung) und Redefinition (Neubelegung). Während Substitution nicht viel mehr ist, als einen Text online und nicht auf Papier zu lesen, geht es bei Redefinition um das sogenannte digitale Geschichtenerzählen.

“Digital Storytelling”, das klingt nach einer ganz neuen Art des Unterrichtens. Vorbei die Zeit, in der PDF-Dokumente ausgefüllt oder Bildschirmpräsentationen geteilt wurden. Darum war es auch unser Ziel, die NS-Vergangenheit der ehemaligen Abtei Brauweiler anhand eines konkreten Beispiels aus dem Jugendwiderstand interessant und lehrreich in den digitalen Raum zu senden: Was bewegte die Gruppe der Kölner Edelweißpiraten, gegen das NS-Regime zu kämpfen? Wie gelang es der Gestapo, viele von ihnen festzunehmen? Warum wurden sie nach Brauweiler gebracht und wie wurden sie dort behandelt?

Die Gedenkstätte im Frauenhaus der ehemaligen Arbeitsanstalt ist seit 2008 ein wichtiger Lernort für die Schulen der Umgebung. Das Angebot der Gedenkstätte unterstützt sie bei der Erfüllung der sogenannten “Fächerübergreifende(n) Querschnittsaufgaben”. Dazu gehören Menschenrechtsbildung, Werteerziehung, politische Bildung und Demokratieerziehung. Nun wollten wir auch die Aufgabe “Bildung für die digitale Welt und Medienbildung” bedienen.

Also studierten wir die Methoden anderer Gedenkstätten und Museen in der Online-Vermittlung und fingen an, unser eigenes digitales Tor in die Schulen zu bauen. Wir installierten Webcams und Mikrofone, verglichen Videokonferenzanwendungen, testeten die WLAN-Verbindung auf dem Abteigelände, bereiteten Umfragen vor und besprachen uns mit den Lehrer*innen unserer knapp 40 jugendlichen Testpersonen. Unser Ziel war es, das Gelände der Abtei Brauweiler trotz der Homeschooling-Situation für sie erlebbar zu machen.

Gerade die Gedenkstätte, bislang das Herzstück unserer Vermittlungsangebote zur NS-Vergangenheit, konnten wir als Ort noch nicht einbinden. Einen Internet-Zugang gibt es dort zurzeit noch nicht (wir arbeiten dran). Auch im Außenbereich waren die übertragenen Bilder verwackelt, die Tonspur zerstückelt. Darum entschieden wir uns, an jenen Orten online zu gehen, die über einen stabilen Internetzugang verfügten.

Am Mittwoch, den 24. März um acht Uhr morgens, war es dann soweit: Von unseren digitalen Stationen im Kaisersaal des Prälaturgebäudes der Abtei und dem Lesesaal des LVR-Archivs wählten wir uns in die Geschichtsstunde der Schüler*innen ein und hörten … nichts.


Man blickt auf den Bildschirm, sieht im besten Fall, wieviele Teilnehmende anwesend sind, beginnt zu erzählen – doch alles ist still, nur bunte Kacheln mit Namenskürzeln. Goodbye digital storytelling, auf Wiedersehen Redefinition! Wie kann man einen für Jugendliche so spannenden Ort wie Brauweiler, an dem in der NS-Zeit sogar 15-Jährige verhört und gefoltert wurden, weil sie es einfach nur gewagt hatten, anders zu sein – wie kann man die Geschichte eines solchen Ortes präsentieren, wenn man doch nur der “Host” eines “Team-Meetings” ist? Doch dann meldete sich Stefan zu Wort.

Stefan hatte kritische Fragen, unterstellte uns unter anderem, alle damaligen Mitläufer als Menschen ohne Zivilcourage zu kategorisieren. Das ist genau eine der Fragen, auf die man als Museumspädagoge wartet. Auch wenn nach unserer Antwort wieder Schweigen herrschte, war das passiert, was wir seit über einem Jahr nicht mehr gehabt hatten: Kontakt mit den Schüler*innen.

Einen Tag später nahmen wir am 18. Ost-Westeuropäischen Gedenkstättentreffen teil. Es fand unter dem Motto “Das virtuelle Erinnern. Gedenkstättenarbeit und digitale Medien” online statt. Eindrücklich war unter anderem der Einführungsvortrag von Maciek Zabierrowski vom Auschwitz Jewish Center. Er zeigte uns ein Bild aus dem Jahr 1928. Dort war ein Filmteam zu sehen, welches sein Equipment um einen Radiomoderator aufgebaut hatte. Es war eine der ersten gefilmten Live-Übertragungen der Geschichte. Damals fehlte noch die Erfahrung, wie das neue Medium einzusetzen war. Über Substitution ging es nicht hinaus. Das erinnerte uns an den Probelauf mit den Schüler*innen.

Wir haben die Herausforderung angenommen und sind bereit zu experimentieren, vom alt Vertrauten abzuweichen und neue Formate zu entwickeln. Und einen entscheidenen Vorteil hat die digitale Vermittlung: Auch weit entfernte Gedenkstätten und Erinnerungsorte haben bereits ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns signalisiert. Doch ein Schritt nach dem anderen: Zuerst einmal wollen wir den Kontakt zu den Schulen in der Umgebung ausbauen beziehungsweise ‚redifinieren‘.

In Kürze starten wir die zweite Testphase unseres Projektes der digitalen Vermittlung. Die größte Herausforderung wird es dabei sein, nicht zu versuchen, das analoge Erlebnis eins zu eins im digitalen Raum abzubilden, sondern in die Diskussion mit Schüler*innen wie Stefan zu kommen. Wir nennen es die „Digital Storydiscussion“. Über unsere Erfahrungen werden wir hier auf dieser Seite weiter informieren.

Welche Erfahrungen haben Sie in der digitalen Geschichtsvermittlung gemacht? Wir freuen uns über Ihre Ideen und Anregungen!

Kontakt:
markus.thulin@lvr.de

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#geschichtenderbefreiung

"Geschichten der Befreiung" ist eine Social Media-Aktion der KZ-Gedenkstätte Moringen zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an die Befreiung nationalsozialistischer Lager und Haftstätten. Haben Sie Interesse an weiteren Geschichten der Befreiung? Lernen Sie die Aktion der KZ-Gedenkstätte Moringen auf Instagram kennen: #geschichtenderbefreiung

Mit dem folgenden Beitrag zu "Ilse Neugebauer" beteiligt sich die Gedenkstätte Brauweiler an der Initiative.


Geschichten der Befreiung: Ilse Neugebauer

Mitte April 1945 meldeten sich im Rathaus von Lüdenscheid zahlreiche Personen,[1] die über keine Ausweispapiere verfügten, kein Geld und keine Wechselkleidung bei sich hatten, obwohl sie schon seit Monaten unterwegs waren. Viele von ihnen wollten zurück nach Köln oder in die nähere Umgebung der Domstadt. Sie alle einte eine Leidensgeschichte, die Monate zuvor in der Arbeitsanstalt Brauweiler begonnen hatte. Eine dieser ehemaligen Gefangenen war Ilse Neugebauer aus Hürth-Efferen in der Nähe von Köln, die damals 19 Jahre alt war.

Ilse Neugebauer war das Kind politisch engagierter Eltern. Schon 1919 war ihre Mutter in die SPD eingetreten. Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zwang sie jedoch nicht nur, ihr Engagement einzustellen. Mutter und Tochter schwebten nun sogar in großer Gefahr. Alice Neugebauer, geb. Heydt, war Jüdin, und nur die „privilegierte Mischehe“ mit ihrem Mann Max bewahrte sie und Ilse lange Zeit vor der drohenden Verhaftung. Im September 1944 schützte sie jedoch auch das nicht mehr. Sie erhielten den Befehl, sich im Sammellager im Kölner Stadtteil Müngersdorf zu melden.[2]

Max Neugebauer versuchte seine Familie zu retten. Er versteckte sie bei Freunden. Diese stellten ihre Wohnung auch einer kommunistischen Kölner Widerstandsgruppe als Versammlungsort zur Verfügung. Ein Sonderkommando der Gestapo unter Leitung von Ferdinand Kütter hatte jedoch durch ein ehemaliges Mitglied dieser Gruppe von dem Treffpunkt erfahren. Am 24. November 1944 stürmten es das Haus und verhafteten auch die beiden Frauen. Zwei Tage später fasste die Gestapo auch Ilses Vater. Er wusste damals noch nichts von der Enttarnung des Aufenthaltsortes und hatte versucht, für sie etwas zu Essen und Geld abzugeben.[3] Zu diesem Zeitpunkt waren Ilse und ihre Mutter schon in der Frauenabteilung des Gefängnisses, das die Gestapo innerhalb der Arbeitsanstalt Brauweiler, ungefähr 12 km westlich von Köln, eingerichtet hatte. Max kam in die Männerabteilung.

Am 10. und am 15. Februar waren die Neugebauers unter den letzten Gefangenen, die die Gestapo in zwei Sammeltransporten in das 45 Kilometer entfernte Zuchthaus Siegburg östlich des Rheins überführte. Die dortigen Gebäude waren für 700 Gefangene erbaut worden, jedoch schon 1944 mit 3500 Menschen überbelegt gewesen. Nun trafen immer neue Transporte aus dem Westen ein. Fleckfieber und Typhus breiteten sich aus und forderten zahllose Todesopfer. Es war der letzte Ort, an dem Ilse mit beiden Elternteilen, wenn auch räumlich vom Vater getrennt, eingesperrt war.

Anfang März gelang der US-Armee die Überquerung des Rheins. Die Befreiung schien in greifbare Nähe zu rücken. Doch waren sie noch immer Gefangene der Gestapo. Und gerade der Leiter des Brauweiler Sonderkommandos dachte nicht daran, im Angesicht des sicheren Zusammenbruchs seine Arbeit zu beenden. Schon im November 1944 hatte er sich mit seinen Vorgesetzten darauf geeinigt, alle in Brauweiler einsitzenden Häftlinge zu erschießen, wenn die alliierten Truppen so schnell vorstoßen sollten, dass eine Evakuierung nicht mehr möglich wäre.[5] Den Transport nach Siegburg hatte er anscheinend noch in der Hoffnung auf eine zeitweise Frontverschiebung eingeleitet. Doch nun muss ihm und seinen Vorgesetzten klar gewesen sein, dass in Siegburg die letzten Gefangenen waren, über die sie richten konnten: Am 21. März hatte die Köln-Aachener Gauleitung, offensichtlich auch auf Betreiben des ebenfalls nach Osten reisenden Stabs des Brauweiler Sonderkommandos, in Berlin einen „Führerbefehl“ erwirkt, der die Ermordung aller von ihnen inhaftierten politischen Gegner vorsah.[6]


Der Todesbefehl kam für sie zu spät. Nur wenige Tage zuvor waren ungefähr 120 Gefangene aus Siegburg abtransportiert worden. Die Neugebauers wurden getrennt. Max kam mit einem Sammeltransport von 47 Personen in das bisherige Jugendgefängnis Marienschloss im hessischen Rockenberg südlich von Gießen. Das war eine Reise von 160 Kilometern. Wahrscheinlich war er schon zu diesem Zeitpunkt erkrankt oder zumindest stark geschwächt. Ilse und ihre Mutter wurden mit ungefähr 70 anderen Insass*innen in das knapp 50 Kilometer entfernte Arbeitserziehungslager Wipperfürth transportiert. Tiefflieger griffen mehrfach an, zahlreiche Menschen starben. Das Lager war jedoch eine Verbesserung gegenüber Siegburg: Ilse Neugebauer berichtete später, dass sie nicht mehr auf Strohsäcken, sondern in dreistöckigen Bettgestellen schlafen und ins Freie gehen konnten. Doch ihr Leidensweg war noch immer nicht beendet. Auch dieses Lager war überfüllt, weshalb erneut Transporte zusammengestellt wurden.[7]

Der leitende SS-Untersturmführer hatte zu diesem Zeitpunkt - es war Anfang April - schon viele der Häftlinge laufen lassen. Nicht jedoch die politischen Gefangenen. Diese schickte er auf einen Transport in Richtung Osten. Ziel war das 35 Kilometer entfernte Arbeitserziehungs- und Konzentrationslager Hunswinkel bei Lüdenscheid im Sauerland. Nach wenigen Tagen dort erzwang das Vorrücken der US-Armee am 11. April einen erneuten Aufbruch. Jetzt erst schien die Lagerleitung die aussichtslose Lage begriffen zu haben und beantragte die Entlassung der letzten Gefangenen. Ganz anders dachte die Kölner Gestapoleitung, die in einem Ort ganz in der Nähe des Lagers ihre Dienststelle eingerichtet hatte. Sie verweigerte die Ausstellung der Entlassungsurkunden. Bis kurz vor Eintreffen der US-amerikanischen Soldaten ließ sie noch zahlreiche ihrer ausländischen Gefangenen im Wuppertaler Polizeigefängnis erschießen.

Am 12. April erschoss sich Kütter, nur 18 Kilometer vom Häftlingslager entfernt. Bis zum Schluss hatte er auf einen Prozess gegen die deutschen Häftlinge hingearbeitet. Am gleichen Tag verließ der Lagerleiter die Gruppe aus Frauen, Männern und Kindern. Sie suchten sich einen Unterschlupf in einer Scheune. Dort trafen sie am nächsten Morgen auf die ersten US-amerikanischen Soldaten.[8]

Ilse Neugebauer und ihre Mutter schlossen sich einer Gruppe von ungefähr 50 Personen an, die den Rückweg nach Köln antrat. Am 1. Mai erreichten sie den Rhein. Nach ihrer Rückkehr erfuhren sie, dass auch Max Neugebauer befreit worden war. Obwohl die US-Armee das Jugendgefängnis Marienschloss schon am 29. März erreicht hatte, war der Rückweg für ihn wesentlich beschwerlicher. Die Gefangenen mussten aufgrund der großen Entfernung nach Köln auf eine Transportmöglichkeit warten. Davon gab es jedoch nicht genug. Also machte er sich am 5. April zu Fuß auf den Weg. Am 16. April verstarb Max Neugebauer in einem Hilfskrankenhaus in Albershausen, zwischen Wetzlar und Braunfels.

Ilse Neugebauer trat noch im November 1945 in die SPD ein. Zusammen mit ihrer Mutter überwand sie die zahlreichen Hindernisse, die ihnen als erste Frauen in den politischen Gremien ihres Heimatortes Hürth in den Weg gelegt wurden.[9] Ab Mitte der 1970er Jahre war sie Mitglied des Stadtrates. Bis 1999 sollte ihre politische Karriere dauern. Ilse Neugebauer verstarb 2019 in Brühl.

(Text: Markus Thulin)

Anmerkungen/Literatur

[1] Hermann Daners / Josef Wißkirchen: Die Arbeitsanstalt Brauweiler bei Köln in nationalsozialistischer Zeit; Rheinprovinz Bd. 22; Schriften zur Gedenkstätte Brauweiler Bd. 2; Hrsg. vom LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum; Redaktion: Wolfgang Schaffer, Christine Hartmann; Klartext Verlag, Essen 2013 (ISBN 978-3-8375-0971-7), S. 369.
[2] Daners/Wißkirchen (2013), S. 355.
[3] Daners/Wißkirchen (2013), S. 356, 357.
[4] Daners/Wißkirchen (2013), S. 363, 364.
[5] Daners/Wißkirchen (2013), S. 365.
[6] Daners/Wißkirchen (2013), S. 366, 367.
[7] Daners/Wißkirchen (2013), S. 368.
[8] Daners/Wißkirchen (2013), S. 369, 370.
[9] Engels, Andreas: 100 Jahre Frauenwahlrecht. 91 jährige war eine der ersten Frauen im Hürther Gemeinderat. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 11.3.2018

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Ausstellung"Mehr als man kennt - näher als man denkt"

Objektgeschichten aus Gedenkstätten in NRW

29 NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte des Landes NRW präsentieren in einer gemeinsamen Online-Ausstellung jeweils ein ausgesuchtes Exponat und stellen ihre Einrichtung vor. Mit dabei ist auch die Gedenkstätte Brauweiler des LVR.

Pressemeldung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des Arbeitskreises NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V. und der Landeszentrale für politische Bildung NRW.

Hier geht es zur Online-Ausstellung.

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Publikation in der LVR-Reihe „Rheinprovinz“ erschienen

„Verlorene Freiheit“ befasst sich mit der nationalsozialistischen Schutzhaft 1933/34 im heutigen Rhein-Erft-Kreis

Seit zehn Jahren erinnert die Gedenkstätte Brauweiler an die Rolle der ehemaligen Arbeitsanstalt in nationalsozialistischer Zeit. Als Teil der Schriftenreihen „RHEINPROVINZ“ des Archivs des LVR sowie SCHRIFTEN ZUR GEDENKSTÄTTE BRAUWEILER ist nun ein von Josef Wißkirchen herausgegebenes Buch erschienen, das den Übergang von der Demokratie in die NS-Diktatur im Rhein-Erft-Raum zum Thema hat: „Verlorene Freiheit. Nationalsozialistische Schutzhaft 1933/34 im heutigen Rhein-Erft-Kreis“. Am 13. Februar 2019 wurde die Publikation im LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler in Anwesenheit der beteiligten Autorinnen und Autoren offiziell vorgestellt.

Das 664-seitige Buch ist das Ergebnis eines Projektes, an dem dreizehn Historikerinnen und Historiker, Archivarinnen und Archivare aus der Region mitgewirkt haben: Heinz Andermahr, Eric Barthelemy M.A., Dr. Frank Bartsch, Michael Cöln, Brigitte Daners, Hermann Daners, Wolfgang Drösser, Susanne Harke-Schmidt, Christoph Hoischen, Dr. Jochen Menge, Susanne Kremmer, Volker H. W. Schüler sowie Josef Wißkirchen.

Rund 500 Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Regimegegner wurden 1933/34 ohne richterliches Urteil verhaftet und eingesperrt: in den Amtsgerichtsgefängnissen in Brühl, Bergheim, Kerpen und Lechenich, in den Polizeigewahrsamen in Hürth-Hermülheim, Wesseling und Frechen, in den Kölner Gefängnissen Klingelpütz und Bonner Wall und insbesondere in der Arbeitsanstalt Brauweiler, in der das größte westdeutsche Lager für die Verhafteten entstand. Tatsächlich war die sogenannte Schutzhaft die Geburtsstunde der Konzentrationslager, in der Menschen ohne jeden Rechtsschutz der Willkür der Polizei und der Partei ausgeliefert waren.

405 Einzelschicksale aus den zehn Städten des Rhein-Erft-Kreises werden namentlich in dem Buch aufgelistet und, soweit möglich, mit Kurzbiographien vorgestellt. Dabei wird deutlich, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Nazis gewähren ließ, weil die Umsturzabsichten der Kommunisten gefürchtet waren. Beunruhigende Nachrichten aus dem stalinistisch-kommunistischen Russland wurden seitens des Regimes zur Hetzpropaganda gegen die deutschen Kommunisten benutzt. Vor allem in den Industrieregionen des Kreises kam es zu massenhaften Verhaftungen: Brühl, Hürth, Frechen und Bergheim. Diese Rechtsbrüche geschahen unter Mitwirkung des Regierungspräsidenten, der Landräte, der Bürgermeister und der ihnen untergeordneten Polizei.

Die detaillierten Untersuchungen zu den Anfängen der nationalsozialistischen Herrschaft liefern eine Vielzahl von bislang unbekannten Informationen zur Geschichte der Region. Im Dokumentenanhang sind bisher schwer zugängliche historische Quellen und ausführliche Tabellen zu den Wahlergebnissen 1930 bis 1933 zu finden. Für die wissenschaftliche Forschung, aber auch den Geschichtsunterricht, der sich um einen regionalen Bezug bemüht, liefert das Buch umfangreiches Quellenmaterial.

Josef Wißkirchen (Hg.): Verlorene Freiheit. Nationalsozialistische Schutzhaft 1933/34 im heutigen Rhein-Erft-Kreis
Rheinprovinz. Dokumente und Darstellungen zur Geschichte der Rheinischen Provinzialverwaltung und des Landschaftsverbandes Rheinland
Band 28. Berlin 2019

ISBN: 978-3-86331-452-1
ca. 670 Seiten
39,00 Euro

Kontakt:

Archiv des LVR, Tel. 02234 9854-356, Mail: archiv@lvr.de

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Gedenkbuch Brauweiler 1933 bis 1945 ist online

LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum erinnert an Inhaftierte des NS-Regimes in Brauweiler

Brauweiler, 26.5.2017.„Ohne das Engagement der beiden, dem LVR seit vielen Jahren verbundenen Historiker Josef Wißkirchen und Hermann Daners wären wir noch lange nicht so weit mit der Recherche“, sagte Dr. Arie Nabrings, Leiter des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums anlässlich der Vorstellung des Online-Gedenkbuchs Brauweiler 1933 bis 1945. Im Rahmen eines mit Mitteln der Regionalen Kulturförderung des LVR unterstützten zweijährigen Projektes beim LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (AFZ) konnte das Gedenkbuch realisiert werden.

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Publikation zur Arbeitsanstalt Brauweiler

Die Arbeitsanstalt Brauweiler bei Köln in nationalsozialistischer Zeit

Aktuelle LVR-Publikation der Autoren Hermann Daners und Josef Wißkirchen

Seit 2008 informiert die vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) im Bürohaus auf dem Gelände des LVR-Kulturzentrums Abtei Brauweiler eingerichtete Gedenkstätte über die nationalsozialistische Vergangenheit der ehemaligen Arbeitsanstalt Brauweiler. Die dokumentarische Ausstellung basiert auf den Forschungen der beiden Historiker Josef Wißkirchen und Hermann Daners. Doch damit war deren Recherche nicht abgeschlossen. Auch die Ergebnisse ihrer neueren Forschung sind in die umfangreiche jetzt vorliegende Publikation eingeflossen. Sie wird herausgegeben vom LVR – als Band 22 der Schriftenreihe "Rheinprovinz" des Archivs des LVR und zugleich als Band 2 in der Reihe "Schriften zur Gedenkstätte Brauweiler".

Die Arbeit der beiden Autoren basiert auf umfassenden Quellenstudien und erschließt in größtmöglicher Vollständigkeit die herausgehobene Rolle, die der Arbeitsanstalt im Terror- und Repressionssystem des NS-Regimes zukam. Es eröffnet sich ein bedrückendes Panorama des Unrechts, das hinter den damals festungsartig hohen Mauern mitten in Brauweiler geschah.

Schon seit dem 19. Jahrhundert waren hier gesellschaftliche Randgruppen wie Bettler, Landstreicher und Prostituierte, später auch entmündigte Alkoholiker, so genannte Fürsorgezöglinge und "säumige Unterhaltspflichtige" durch "Erziehung zur Arbeit" diszipliniert worden. Nach 1933 aber verschärften sich die Lebensbedingungen für diesen Personenkreis erheblich. Letztlich ging es dem NS-Staat um eine rassenpolitisch begründete "Endlösung der sozialen Frage".

Um nur einige der an Anstaltsinsassen - Frauen und Männern - begangenen Verbrechen zu benennen: Im Zuge der nationalsozialistischen Rassenpolitik wurden 417 Insassen der Brauweiler Anstalt, die aus weiten Teilen West- und Süddeutschlands hierhin eingeliefert worden waren, in der Kölner Universitätsklinik zwangssterilisiert. Fürsorgezöglinge zwischen 14 und 18 Jahren wurden in der anstaltseigenen Ziegelei unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Kriegswirtschaft herangezogen. Im September 1944 wurden zahlreiche Anstaltsinsassen in Konzentrationslager überstellt. Eine im Buch abgebildete Karte verzeichnet die Zielorte: KZ Ravensbrück, KZ Sachsenhausen, Jugend-KZ Moringen, KZ Buchenwald, KZ Flossenbürg, KZ Mauthausen.

Nachdem bereits 1933/34 im Zellenbau der Arbeitsanstalt ein frühes Konzentrationslager eingerichtet worden war, nutzte die Kölner Gestapo dieses Gebäude in den Folgejahren immer mehr als Haftstätte für in- und ausländische politische Gegner. Seit 1944 war sie mit Sonderkommandos ständig in Brauweiler präsent. Der Zellenbau in der Arbeitsanstalt wurde zu einer zentralen Haftstätte der Kölner Gestapo und zu einem Ort schlimmster Menschenrechtsverletzungen. Mehr als fünfzig hier inhaftierte Männer und Frauen wurden - nach brutalen Verhören - ermordet, rechtswidrig in Köln erhängt oder in den Selbstmord getrieben. Darunter waren Mitglieder einer kommunistischen Kölner Widerstandsgruppe, außerdem zahlreiche junge Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Osteuropa. Unter anderem wurden 16-jährige deutsche Jugendliche im November 1944 von Brauweiler aus zu ihrer öffentlichen Hinrichtung nach Köln-Ehrenfeld transportiert. Zahlreiche Häftlinge, die von Brauweiler in andere Gefängnisse oder Lager überstellt wurden, starben dort noch während der Haft oder nach Kriegsende an den Folgen ihrer Haftbedingungen.

Die Autoren begnügen sich nicht damit, diese Vorgänge zu benennen und in ihrem gesamthistorischen Kontext zu erörtern, sondern nehmen immer wieder auch Einzelschicksale in den Blick. An diesen werden die Verbrechen des Naziregimes konkret sichtbar. Sie untersuchen zum Beispiel detailliert die Gründe, die dazu führten, dass zwei Brauweiler Fürsorgezöglinge 1940 im Kölner Klingelpütz hingerichtet wurden; auch warum sich die 23-jährige Polin Maria Kristowa am Gitter ihrer Zellentür erhängte. Sie schildern, wie 1945 die Geschwister Scheer aus Dansweiler in die Fänge der in Brauweiler stationierten Kölner Gestapo gerieten und nur dank der chaotischen Verhältnisse in den letzten Kriegstagen überlebten.

Nachdrücklich gehen die beiden Autoren auch dem Beziehungsgefüge zwischen Arbeitsanstalt und Bevölkerung in Brauweiler nach und kommen dabei zu einem differenzierten Urteil.

Angaben zur Publikation:
Hermann Daners / Josef Wißkirchen
Die Arbeitsanstalt Brauweiler bei Köln in nationalsozialistischer Zeit
Herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland, LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum. (Rheinprovinz Band 22, Schriften zur Gedenkstätte Brauweiler Band 2)
Klartext Verlag, Essen 2013 (ISBN 978-3-8375-0971-7)
435 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 19,95 Euro

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